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Benzo / F.R.U.I.T.S.

»The Tapes« / »Forbidden Beat« - Laton

Text: Heinrich Deisl | 28.04.2004

Mit diesem beiden CDs hat Latons Russen-Affinität endlich seine praktische Erdungen gefunden. Benzo und F.R.U.I.T.S. sind die aktuellsten internationalen Zugänge bei Laton: Den Pathos des Rhythmus haben beide Releases in sich aufgesogen, einmal als heftige Körper-Deterritorialisierung durch Noise und einmal als psychoaktive Verinnerlichung. Besonders lobend, dass das Debüt »The Tapes« des außergewöhnlichen litauischen Musikers Benzo aka Richardas Norvila den Weg zu ihrer Bestimmung gefunden hat. Als ob sie sich abgesprochen hätten, ist Benzos sonische Tiefenwirkung der von Alois Huber sehr ähnlich, das mag auch daher kommen, dass beide ähnliche Brotberufe haben. Der Synth, dein Freund: Benzo spielt ausschließlich auf alten elektronischen Instrumenten made in Russia, jeder davon ein Repräsentant der ethnischen Besonderheiten. Norvilas ist einer, der mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen Theater (Soundscapes) und Club (er selbst nennt es »Benzo-House«) navigiert, Musikprojekte seit 1994 inklusive. Mit akustischen Instrumenten wird die Weite des Landes und das einfache Leben beschworen (»Die glücklose Jagd«), während mit langanhaltenden Beat-Komplexen die Disco-Moloche der Städte eingefangen werden. In Benzos Musik wird das multiethnische Treiben Moskaus zu Klanggebilden. Während Benzo indes einen eher leichtschwebenden Ansatz wählte, macht F.R.U.I.T.S. dagegen wieder mal klar, wo der Bartl den Wodka herholt für broken D'n'B, finstere basslastige Electronica und mäandernde Soundscapes jenseits der Lichtdurchlässigkeitsgrenze. Die Moskauer Post-Industrial-Underground-Helden F.R.U.I.T.S. (Alexei Borisov/ Pavel Jagun) halten auf ihrem sechsten Album mit dem programmatischen Titel »Forbidden Beat« die lange Tradition der konstruktivistischen Soundgenerierungen aufrecht: Entschlackte Sounds, teilweise so weit unten im Frequenzspektrum dass kaum mehr hörbar, Beats, die ausreichend mit Distortion angereichert sind, von seltsamen Stimmen, die vorbeiziehen wie ein Wolken, gegengesteuert. Abstruser Humor ist hier auch genügend anzutreffen, wenn nicht als Wortsamples, so in einigen Arrangements. Die CD ist eine Zusammenstellung aus Live-Tracks, diversen Studiotakes quer durch Europa und einer »historischen« Aufnahme vom Platz der Jugend in Moskau 1996, versehen mit einem Cover des österreichischen Künstlers Franz Graf. Moskau rockt!

Text: Heinrich Deisl | 28.04.2004

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