Jedoch, beim letzten Act geht endlich die Sonne auf. Die spannungsgeladensten Sounds 2005 kommen aus Belgrad. Die vier Männer des (Electronics bzw. Notebook jeweils am rechten und linken Rand platziert; in der Mitte Saxophonist und E-Kontrabassist) Belgrade Yard Sound Systems zeigen, wo's langgeht. Bereits die projiziertenVisuals von Andreja Miric - obwohl man diese ob der kraftvollen Musik gar nicht brauchte - verweisen auf die Exemplarität des Ensembles. So wandern etwa Schriften vertikal gegenläufig über die Leinwand oder sorgt ein abgefilmter Masten/Drahthorizont (in Beograd - eine verheißungsvolle Metropole!), der der Versorgung öffentlicher Verkehrsmittel mit Strom dient, für eine faszinierende Atmosphäre. Letztlich ist es aber die Musik, die wirklich den Kopf frei macht und auch als Befreiung von einengenden Konzepten funktioniert. Eigentlich stehen der Bassist und Saxophonist, beide sind kurz auch als Duo (mit John Coltrane-Basslauf) zugange, im Zentrum. Das an Free Jazz andockende expressive Saxspiel von Jemal Al Kiswani harmoniert mit den spooky Basslines von Ivan Antic und dazu passt die abgefeimte Elektronik, die Relja Bobic und Goran Simonoski dank Körpereinsatz cool rüberbringen. Deep, downtown, dark, funky. Urban Noir! Ideensprühend, fulminant abgemischt von Milan Mihajlovic. Vital, und in der abschließenden Zugabe rasant, beinahe ekstatisch. Eine Großstadtsymphonie fantastique!
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