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Thu 19.04.2012 | das wienerliedfestival
Ausgabe # 13
wean hean 2012- Das Wienerliedfestival
www.weanhean.at
19. April - 23. Mai 2012
Im April und Mai bricht die Sonne durch. Mit ihrer Leuchtkraft holt sie vergessene Aspekte der
Wienermusik ans Licht!
Im 13. Jahr nimmt sich wean hean in der Zeit vom 19. April bis 23. Mai 2012 (ausnahmsweise) ein
Leitthema vor: Das Wienerliedschaffen jüdischer Komponisten und Textdichter, von Gustav
Pick, dem Schöpfer des Fiakerliedes, über Fritz Löhner-Beda und Hermann Leopoldi bis herauf
zu Georg Kreisler und Gerhard Bronner. Der Großteil dieser Künstler war im humoristischen und/
oder satirischen Eck angesiedelt. Scharfblick, Witz und Weisheit vertragen sich schwer mit häufig
unreflektiertem Gefühlsüberschwang.
Wenn Gustav Pick aus Rechnitz textete: ?Mein Stolz is?, i bin halt an echt?s Weanakind ...? offenbart
sich darin eine oder seine Sehnsucht als ?echter Wiener? wahr- und angenommen zu werden.
Sehr spät hat man bemerkt, dass Wien ohne seine Juden viel ärmer ist. wean hean - das Festival
des Wiener Volksliedwerks - wird heuer wieder daran erinnern!
Die jüdische Thematik hat bereits im Vorjahr ihren Beginn genommen, 2012 wird sie mit insgesamt
sieben von zwölf Veranstaltungen im Festivalprogramm vertieft. Einschlägige Wienerlied-Topoi
werden in diesem Jahr kräftig konterkariert, zuckerlrosa bleibt großflächig ausgespart. Glänzende
Steine des musikalischen Gedächtnisses sollen nicht im hohen Gras verschwinden, sondern in ihrer
prägenden Vielgestaltigkeit sichtbar gemacht und neu gewichtet werden.
Unter dem Titel Lomir sich iberbetn - Lasst uns versöhnen - ist die Festivaleröffnung ganz dem
jüdischen Beitrag zur Wienermusik gewidmet. An drei verschiedenen Schauplätzen, im Jüdischen
Museum Wien, im Café Hawelka und im Camineum der Üsterreichischen Nationalbibliothek,
tummelt sich am 19. April 2012 eine Reihe hervorragender Musikformationen voll Empathie durch
Vergangenheit und Gegenwart des Wienerliedes und stellt mannigfach Bezüge zum jüdischen Wien
her.
Dass die literarische und musikalische Affinität jüdischer Künstler zum Kaffeehaus oft höher war
als zum Heurigen, wird im traditionsreichen Café Sperl mit Kaffeehausliteratur und Wienermusik
verdeutlicht.
Wegen des überwältigen den Publikumserfolges ist der Mozartsaal des Wiener Konzerthauses
erneut Schauplatz für jenen Abend, der einen der ganz großen jüdischen Volkssänger in allen
Facetten portraitiert: Beeindruckende Schauspieler und Sänger widmen unter der Leitung von Bela
Koreny dem Klavierhumoristen Hermann Leopoldi und seinem schicksalsschweren Leben in Wien,
Buchenwald und New York einen unvergesslichen Abend.
Im Bockkeller vergegenwärtigt Bela Koreny, der temperamentvolle, jüdisch-ungarische Pianist und Komponist, dann gemeinsam mit der aparten Schauspielerin Vasiliki Roussi seine Broadway Piano
Bar.
Prominenten und zu entdeckenden Lach-Glanzpunkten des Jüdischen Kabaretts in Wien ist einem
ganz besonderen Spielort vorbehalten: Dem brick-5, einem Loft im Verbund mit einer jüdischen
Turnhalle im 15. Bezirk, das ? unweit des zerstörten Turnertempels ? jüdische Räume in einem
Wiener Grätzel bis heute sichtbar hält. Hier ruft wean hean in Zusammenarbeit mit dem Theater
L.E.O. (Letztes erfreuliches Operntheater) und der Armin Berg Gesellschaft zu Lotzelach im
Wurstelprater auf.
Als Festival-Ort ebenfalls neu dabei ist der Ehrbarsaal in der Mühlgasse im 4. Bezirk. In diesem
akustisch idealen und historisch-architektonischen Konzertsaaljuwel wird eine der vielseitigsten,
jüdischen Künstlerfamilien Wiens, Die Brauers, ihre Familienbande musikalisch bekunden.
?Yes! We Have No Bananas? sang Josephine Baker. In der deutschen Adaption textete der
vielschichtige, jüdische Schriftsteller, Schlagertautor und Operettenlibrettist Fritz Löhner-Beda
?Ausgerechnet Bananen!?. Chris Pichler, Wolfram Berger und Otmar Binder machen daraus im
Bockkeller, dem Eigenheim des Wiener Volksliedwerks, einen Ausgerechnet Beda-Abend.
Bei einem weiteren wean hean-Heimspiel im Bockkeller stehen abschüssig-fesselnde Vertonungen
von Texten der Wiener Gruppe und weiteren Wiener Literaten im Mittelpunkt, Friedrich Achleitner
hat sich zudem als Lesegast angesagt.
Das Wienerlied wächst über sich hinaus! Und das haben wir neben Künstlern mit jüdischen
Wurzeln in den letzten fünfzehn Jahren auch so umwälzenden Kultformationen wie dem Kollegium
Kalksburg zu verdanken. Als D?Heirigen - jener Formation, die beim heurigen wean hean-Festival
am Bankerl in der ersten Reihe sitzt - schmieren und warten sie im Theater Akzent das neue
Wienerlied, begegnen ihm mit Gekröse und Getöse, hantieren ungestüm, skurril und dreist und legen
sich trotzig quer, gehen dabei aber immer sehr bewusst mit Geschichte um. Ebenfalls Ausgeklügeltes
zum Wienerlied hat Hannes Löschel mit der wean hean-Band Weana Korn & D?Heirigen im Porgy
& Bess im Sinn.
wean hean ist nicht nur Vorreiter dafür, aus dem Stillgewässer Wienerlied einen mitreißenden Fluss
zu machen, sondern schafft es in seinen Städtebegegnungen auch immer wieder verschiedene
urban-volksmusikalische Zentren zu einem Zeitpunkt zu präsentieren, der der kollektiven
Wahrnehmung vorauseilt: Diesmal begegnet Wien der polnischen Stadt Wroclaw (Breslau).
Ein weiteres, einmalig exquisites wean hean-Projekt können Sie im Puppentheater Lilarum erleben.
Nicht nur, dass Christoph Bochdansky mit seinem ganz persönlichen Figurentheater Alles über die
Welt erzählt. Karl Stirner hat eigens dazu die Bühnenmusik geschrieben, die er an diesem Abend
gemeinsam mit Walther Soyka dem Erdball unterlegt. Eine multisinnliche Uraufführung!
Text: Iris Mochar






