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»What's in a name?« - Das Mädchen aus dem Song

Text: Günter Krenn | 10.06.2011
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Hinter jedem erfolgreichen Lied steht eine Frau. Michael Heatley auf den Spuren des Mädchens aus dem Song. 

Spätestens seit dem Verbot des Rolling Stones-Managements, den Titel »Angie« im CDU-Wahlkampf 2005 für Angela Merkel zu verwenden, wusste die Welt, für wen der Song sicher nicht geschrieben worden war. Seit die Jagger/Richards-Nummer 1973 auf »Goats Head Soup«, dem dreizehnten Studioalbum der Band, erschien und als Single selbst von Leuten gekauft wurde, die von den Stones ansonsten »nicht einmal etwas geschenkt angenommen hätten« (Keith Richards), rätselte man über die Namenspatronin. Bereits früh wurde Angela Bowie, respektive der Abgesang auf die angebliche Affäre zwischen ihr und Mick Jagger dahinter vermutet. Auch dass »Angie« im Englischen Kokain umschreibt, schien als These brauchbar, wie es sich ja auch im Falle von LSD bei Lucy In The Sky With Diamonds von den Beatles angeboten hatte.

»Angie« und »Lucy« sind nur zwei von 50 Personen in Pop-Songs, deren Erläuterung sich der Musikjournalist Michael Heatley in seinem Buch »Das Mädchen aus dem Song« widmet. Er enträtselt in Titeln genannte oder umschriebene Personen, die auf solchen (Um)Wegen Eingang in die populäre Kultur gefunden haben und deren Story nun als »oral history« im Zeitalter des reproduzierbaren Kunstwerks weitergegeben wird, ohne dass ihre Genealogie geklärt wurde. Zu den »personenlosen Namhaften« gehören unter anderem »Lola« (The Kinks), »Diana« (Paul Anka), »Maggie May« (Rod Stewart), »Peggy Sue« (Buddy Holly) und »Suzanne« (Leonard Cohen). Ihre Geschichte, respektive die Entstehungsgeschichte ihrer Songs, wird ebenso enträtselt wie die Umschreibung in Songtiteln wie »Brilliant Disguise« (Bruce Springsteen), »In the Air Tonight« (Phil Collins), »Je t'aime« (Jane Birkin und Serge Gainsbourg), »Sweetest Thing« (U2) oder »Wonderwall« (Oasis). Im Falle von »Don't Think Twice, It's All Right« hat Bob Dylan in seinen faszinierend dekonstruktiven Memoiren »Chronicles« selbst Erklärungen geliefert und bei »Moses« von Coldplay lag die Assoziation zu Chris Martins und Gwyneth Patrows gleichnamigem Sohn auf der Hand. Bei diesen und 48 anderen, weniger leicht erschließbaren Titeln hat Michael Heatley umfassende und weiterführende Recherchen betrieben, die er in seinem kurzweiligen, selektiv bebilderten Buch der interessierten Leserschaft offeriert.

Im Falle von »Angie« gibt es übrigens, neben diversen möglichen Bowie (Angela und David)/Jagger-Konstellationen, eine sich als Legende faszinierend unbrauchbar erweisende Auflösung (nachzulesen auf den Seiten 10 und 11), weshalb wohl, trotz der Basislektüre von »Das Mädchen aus dem Song«, auch im Zukunft Interpretationen von Angela Bowie bis Kokain ebenso spekulativ wie spektakulär gelesen und geglaubt werden wollen.

Michael Heatley: »Das Mädchen aus dem Song. Angie, Lola, Rita, Suzanne und Maggie May - und welche Geschichte sich dahinter verbirgt«

Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf 2010, 248 Seiten, EUR 14,95



Text: Günter Krenn | 10.06.2011

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