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Werner Kitzmüller

»Evasion« - Valeot Records

Text: Adrian Flux | 25.10.2011

In der griechischen Antike war die Musik mit der Lyrik nicht nur verwandt, sondern mit dieser identisch. Die großen Tragödien und Komödien wurden in der für die altgriechische Sprache typischen Form des Gesangs vorgetragen. Diese Tradition wurde durch Werke wie Dante Alighieris »Divina Comedia« oder Christian Morgensterns »Galgenlieder« fortgeführt, ist aber doch weitestgehend in Vergessenheit geraten und überblendet worden von der Einstellung, Texte in Liedern wären nur ein weiteres Percussioninstrument (das »Yeah!-Zeitalter«) und trügen dazu bei, die Corporate Identity der Musikschaffenden zu stärken. Jene, die sich dieser Entwicklung bewusst sind, drücken dies meist dadurch aus, dass sie die Stimme konsequent als Ton- und Geräuscherzeuger benutzen und oft auf den lyrischen Part vollkommen verzichten. Andere, wenige, wie das Werner Kitzmüller Trio versuchen mit ihrem melancholisch-sphärischen Songarrangements irgendwo zwischen Nick Cave und Kurt Wagner angesiedelt, so scheint es, an die traditionelle Art der Musikgestaltung anzuknüpfen und schaffen nicht nur Autopoesis, also das Ausdrücken des Individuellen im künstlerischen Tun, sondern auch Poesis im reinen Sinne: Text und Ton, Versmaß und Rhythmus, Harmonie und Gebrochenheit, das was ist und das dazwischen in Einklang zu bringen, ein bewusst narratives Element einzubauen, das sich nicht auf den Textinhalt beschränkt, sondern auch durch verschiedene Einsätze von Instrumenten (Gitarre, Klavier, der Stimme vom tief Timbrischen bis zum kehlig Hellen) ausgedrückt wird. Dadurch entsteht ein Album, das sich irgendwo im Universum der experimentellen Crossover von Elektronik , Singer/Songwriter-Manier und Ensemblearrangements befindet und sich sehr modern gibt, zeitlos ist und sich, bewusst oder unbewusst, auf die altehrwürdige und fast vergessene Tradition bezieht.

Text: Adrian Flux | 25.10.2011

Referenzen:

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