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Herzklopfen

Text: Barbara Wakolbinger | 21.02.2012
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In ihrem zweiten Werk lässt Julya Rabinowich Russland hinter sich und widmet sich der Geschichte einer obsessiven Liebe: »Herznovelle«.

Es ist die Geschichte einer Obsession. Nach einer Herzoperation wacht die namenlose Ich-Erzählerin in ihrem Krankenhausbett auf und nichts ist mehr so, wie es einmal war. Sie fühlt sich dem Mann verbunden, der ihr Herz berührt hat. Im wahrsten Sinne des Wortes - denn ihre plötzliche aber dafür umso intensivere Leidenschaft gilt dem Chirurgen, der sie operiert hat. Ein Wiedertreffen mit ihm, eine Beziehung, die über das Verhältnis zwischen Arzt und Patientin hinausgeht, wird zu einer fixen Idee. Um ihm nahe zu sein, manipuliert sie ihre Medikamente und lässt sich erneut in die Klinik einweisen. Sie erlebt die Herzoperation nicht nur als lebensrettende Maßnahme, sondern - just in dem Moment in dem sie ein normales Leben beginnen könnte - auch als Befreiung und Neuanfang. Nach und nach realisiert sie, dass sie nicht länger als brave und treu sorgende Ehefrau eines viel arbeitenden Langweilers im gemeinsamen Haus leben kann. Ihre Fantasien zur Operation und dem Herzchirurgen steigern sich zum erotischen Wahn. Doch der Arzt steht ihren immer verzweifelteren Versuchen der Kontaktaufnahme, professionell und distanziert gegenüber.

Formal setzt Rabinowich dieses Schwanken zwischen Traum, Fantasie und Wirklichkeit mit einem passagenhaften Erzählstil um. Die Realität wird in klarer, sachlicher Prosa wiedergegeben, in die sich immer wieder lyrisch-emotionale Abschnitte mischen. Dabei gelingt es Rabinowich, trotz des romantischen Arzt-Patientinnen-Plots nie ins Kitschige abzugleiten und stets einen ironisch-distanzierenden Subtext mitschwingen zu lassen. Beschäftigte sich Rabinowich in ihrem ersten Roman »Spaltkopf« noch hauptsächlich mit ihrer eigenen Kindheit und Jugend sowie der geografischen und persönlichen Reise von Russland nach Üsterreich, wählt sie für ihre »Herznovelle« ein komplett anderes Thema. Das Ergebnis ist zwar emotional nicht ganz so tiefgehend und berührend wie ihr Debüt, bleibt aber vor allem sprachlich hochspannend und mit der feinen sarkastischen Note versehen, die schon »Spaltkopf« lesenswert gemacht hat.

Julya Rabinowich: »Herznovelle«, Wien: Deuticke 2011, 160 Seiten, EUR 16,40.


Text: Barbara Wakolbinger | 21.02.2012

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