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Goth-Trad

»New Epoch« - Deep Medi Musik//ST Holdings

Text: Christoph Kirmaier | 08.03.2012

Großartiges spielt sich über die elf Tracks ab und man hat mit Start der Platte leider noch keinen blassen Schimmer davon. Track Nummer 1, »Man In The Maze« gibt den Takt für dieses unglaublich experimentelle Dubstep-Abenteuer kaum vor. Irgendwo zwischen mittelalterlich gezeichneten Harmonien und einem Synth, der mich so unglaublich an dieses eine Lied aus den 1980ern erinnert, betrachte ich noch einmal das Cover. Düster, symmetrisch, grau, blutrot, der Albumname und das Pseudonym einer schlechten Darkwave-Band - das kann ja heiter werden. Und dann setzt die Elektronik ein. Plätschert wunderbar dahin und rückt immer weiter in den Hintergrund, während die Aufmerksamkeit rapide schwindet. Dann vergehen knappe zehn Minuten, in denen man gänzlich vergisst, dass überhaupt Musik läuft. Aber dann. Wie ein Schlag ins Gesicht fetzt ein Beat ins Gesicht und »Airbreaker« bringt alles auf den Punkt, was die ersten drei Tracks verfrickelt haben. Gewaltig pumpender und keineswegs stupider Dubstep, der die Dynamik augenblicklich in die Höhe katapultiert. Was für ein Befreiungsschlag aus der Üdnis! Der Rest des Albums bleibt konstant großartig, experimentiert mit technoider Weltmusik und wirft mit Klängen und Beats um sich, die gewaltige Nackenschmerzen aufgrund intensiven Kopfnickens verursachen. Wer Angst hat, »Airbreaker« bleibt in seiner Coolness einzigartig, soll einfach die Lautstärke aufdrehen und sich davon überraschen lassen, wie wunderschön sich alles weitere zusammenfügt. Schon der nächste Track, »Walking Together«, zeigt Goth-Trads Stärken von einer anderen Seite. Nicht mehr kompromisslos draufballernd, sondern lässig dahinschlendernd, errichtet der Japaner ein stabiles Beatgerüst in luftige Höhen.
Bis zum Schluss hält »New Epoch« ein konstant hohes Niveau und dann ist plötzlich alles aus. Benommen wandert man zur Anlage und der Finger gleitet erneut auf Play. Dann ein kurzes Besinnen - die ersten drei Tracks direkt überspringen oder sich nochmal denselben Effekt erhoffen, den das Album beim ersten Durchhören so unglaublich sympathisch gemacht hat? Besser ist die zweite Möglichkeit, denn erst im Nachhinein lässt sich feststellen, dass Goth-Trad gut dran tut, das Material nicht sofort zu verballern. Eigentlich fügt sich gerade das Flachhalten des Balles zu Beginn ganz wunderbar in das Konzept ein. Langsam dreht sich die Spannungsschraube bis zur Explosion höher und höher und inzwischen musste ich feststellen, dass ich mich daran erfreue. Jedes verdammte Mal.

Text: Christoph Kirmaier | 08.03.2012

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