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Refugee Party, WUK, 30. Jänner 2013

Text: Kerstin Kellermann | 01.02.2013
Bulbul: Das Spaceship dockt an, setzt aber nicht auf.

Good news in Vienna, Austria, Europe, The Earth: Ein Spaceship ist gelandet und blitzt in grellweißem Licht Attacken.Dazwischen dunkelrote, mittel- und dunkelblaue Lichter. Manchmal drehen sich die Lampen oben in der Luft um sich selbst, hoch oben im Kreis, hellblau leuchtend, als ob sie mittanzen würden. Ein Spaceship namens Bulbul ist gelandet: Mit einem satten, dichten Sound, der die Bühne breiter macht und von einem breiten Widerstand berichtet, einem guten Leben, in das die Solidarität für Flüchtlinge integriert ist - zumindest in einen Teil davon.
Die Haare des Schlagzeugers leuchten orange, der Gitarrist hüpft und stößt kleine Freudenschreie aus vor Entzücken und der zweite Frontmann hält tapfer mit. Das Publikum starrt gebannt, während ein kleiner Flüchtling in dicker Daunenjacke versucht einer Frau ein Bussi auf die Wange zu platzieren, die ihn mit beiden Händen abwehrt, aber gleichzeitig lachen muss. »Bier und Pakistani vertragen sich nicht, dafür gibt es bereits ein paar Beispiele«, sagt meine Schwester, die seit Beginn der Proteste fürs pakistanische Abendmahl sorgt. Das Spaceship wirkt fremdartig und erinnert an den Film mit Louis de Funès, in dem sich die Aliens in Doppelgänger der Polizisten verwandeln und seltsame Angriffe starten. Es dockt an, setzt aber nicht auf.

Nicht alleine kämpfen

Die Musik ist dicht und gleichbleibend hart, der Zeugler legt sich ins Zeug und produziert harte Schläge. Der Unterschied zum Leben ist der, dass diese Schläge rhythmisch sind, er haut sein Schlagzeug und die Schlegel springen zurück, die Häute sind elastisch. Vielleicht sollte man dem Leben seine Schläge auch elastisch zurückgeben ...
Fl__chtlingeVotivK.jpg»Wir denken immer, wir sind alleine«, sagte Adalat Khan, der große Hungerstreiker und ein Sprecher der Flüchtlinge aus der Wiener Votivkirche, in seiner Ansprache zu den vielen jungen Menschen, die zur »Refugee Party« ins WUK gekommen sind, um Solidarität mit dem andauernden Protest zu zeigen. Die ?bersetzerin, die noch nie auf einer Bühne vor so vielen Menschen gesprochen hat, bemüht sich. »Wir kämpfen für euch und ihr kämpft für uns!«, ruft sie plötzlich. Khan musste gegen seinen Willen lachen, als er sah, wie die große, starke, weiße Sängerin der vorigen Reggae-Band mit einem ebenfalls großen, kräftigen Afrikaner hüft-along shakte und sehr eindeutige Bewegungen machte. Der Vater von drei Kindern konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, während ich dem »wilden Pakistani« am liebsten die Augen zugehalten hätte. Social Gender Clashes revisited. Unberührt schwebt das Spaceship weiterhin über der WUK-Bühne und produziert gleichmäßig dichten Sound. »Rock n' Roll!«, hatte der freche Moderator mit Dreadlocks und Brille gerufen. Und irgendwie stimmt das ja auch.
Eine kurze Band-Einlage tönte zwischendurch plötzlich »Refugees are welcome here« - auf Schlagzeug nachgespielt. Ein Schlagzeug, das sprechen kann. Draußen fragt mich ein Flüchtling nach kurzem Geplänkel, ob in meiner Wohnung nur eine einzige Person übernachte? Sein Handy läutet. Auf seinem Handy-Display leuchtet eine wunderschöne junge Frau auf, die ihn sucht und erreichen will. Er unterdrückt den Anruf. Ich gehe mit meiner Schwester noch auf einen Kakao ins WUK-Beisl, wo sie mir eine aufgebrachte Rede hält, des Inhalts, dass man die Caritas doch nicht mit der Gestapo vergleichen kann, wie das ein Filmemacher in einem Artikel publizierte. Ich erzähle ihr von den islamfeindlichen, zum Teil rechtsextremen Homepages ohne Impressum, die sich obsessiv auf die Flüchtlinge stürzen. Und sogar über Fotos von Flüchtlingen verfügen. Ich schenke meiner Schwester meine drei Zuckerwürfel für ihren Kakao.
 
Fighting Monks
So ist jeder und jede beschäftigt und irgendwie in die Gesellschaft integriert. Und hoffentlich werden die Flüchtlinge zu den Mönchen ziehen, die ja angeblich über »eine große Tradition im politischen Widerstand haben«, wie ein Sprecher sagte, und ihr zukünftiges Leben freundlicher als im Hungerstreik gestalten - und das gilt für alle Beteiligten. Aber leider sind bei in Bezug auf Leben und Tod Traumatisierten nicht immer vertrauensvolle Entscheidungen zu erwarten. Auf der Straße rette ich die pakistanische ?bersetzerin vor einem laut schreienden und sie verfolgenden Obdachlosen, der eine Zigarette möchte. »Ich hoffe, die Straßen Wiens sind sicher«, sagt sie und geht den Nachtbus suchen. Es ist zwei Uhr früh. 

Text: Kerstin Kellermann | 01.02.2013

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