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ZerOKilled: Schickes Rauschen

Text: Curt Cuisine | 26.06.2014
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Emanuele de Raymondi
© www.zerokilledmusic.com
Cooler Ambient meets Bella Italia. Zu finden auf den EPs des Labels ZerOKilled Music.

ZerOKilled Music wurde von der Italienerin Costanza Francavilla gegründet, es hat seinen Sitz in New York und Zürich und featured überwiegend italienische Künstler. Zuletzt erschienen sind etwa »Crave for Lost« von Phantom Love (bzw. der Italienerin Valentina Fanigliulo), »Ultimo Domicilio« des italienischen Komponisten Emanuele de Raymondi oder »Bushwick 17« von Constanza Francavilla selbst, gemeinsam mit ihrem Landsmann Alex Infascelli. In allen drei Fällen handelt es sich um EPs, wobei »Bushwick 17« ein 17-minütiges Stück ist, das nur eine Plattenseite füllt, die andere bleibt leer. Dahinter steckt eine etwas zu schludrige Coolness, die sich auch darin offenbart, dass auf der Rückseite der Plattenhülle unter Seite B »Silence« steht. Und daneben: »0.00«. Was natürlich Humbug ist. Wenn schon, hätte man »Nothing« hinschreiben müssen, denn auch die Stille hat (bzw. hätte) eine Dauer.

Tempestous Noises?

Anyway, man merkt schon, Constanza Francavilla will mit ihrem Label cool sein ... und zum Teil ist sie es auch. Die Plattenhüllen sind allesamt äußerst gediegen und wirken wie aus einem Guss - und ähnliches gilt auch für die Musik. Wir hören einen ziemlich pfiffigen, zwischen Ambient und Noise sich hindurchwurstelnden Soundteppich, für den die Presseabteilung des Labels gerne mit Begriffen wie soundscapes, drones, electronica, shoegaze, kraut soul, spectral chantes oder tempestuous noises herumwirft. Das liest sich so schick wie sich die einzelnen Stücke anhören. Man könnte fast in ein altes Stereotyp verfallen und von electroambient Marke Bella Italia sprechen. Aber verkrampft und intellektuell gibt man sich in dieser Ecke oft genug, warum also nicht mal lässig? Tjaha, wenn da nur nicht die Commercials wären, für die Francavilla & Co. ebenfalls komponieren. Vermutlich lässt sich das Label nur so finanzieren. Das ist natürlich legitim, aber die Nase rümpfen darf man doch. Und sich bei der Gelegenheit gleich daran erinnern, woher man die Dame überhaupt kennt. Constanza Francavilla hat sich schon mit allem Möglichen beschäftigt, unter anderem fotografiert sie gerne. In die Pophistorie aber ist sie als eine der vielen Damen eingegangen, die sich Tricky vorübergehend als Leadsängerin geholt hat. Zu hören auf dem 2003 erschienen Album »Vulnerable«, das nicht unbedingt zu den besten Alben von Tricky gehört, weil es eben, haha, ein bisschen zu glatt geraten ist.

Oh, Emanuele

Aber jetzt endlich zur musikalischen Würdigung! »Crave for Lost« von Phantom Love ist der bravste Tonträger, dreimal schickes Rauschen, könnte man hier ätzen. »Bushwick 17« von Francavilla und Infascelli rettet sich mit cool eingestreuten Schlagzeugbreaks aus dem Ambienteinerlei, die Platte aber, die den Werkkatalog von ZerOKilled Music wirklich veredelt, ist »Ultimo Domicilio« von Emanuele de Raymondi, einem italienischen Komponisten mit Abschluss am Berklee College of Music in Boston. Raymondi hat bei seinem im Vorjahr erschienen Debüt »Buyukberber Variations« schon gezeigt, dass er ein kluger Sounddesigner ist. Auf den fünf Stücken von »Ultimo Domicilio« verfährt er erneut nach demselben Prinzip: Er nimmt digital erzeugte Sounds und komponiert sie nach fast klassischen Gesichtspunkten, woraus hübsche Stücke entstehen, die man am ehesten als elektroakustische Popminiaturen bezeichnen könnte. Faszinierend, wie leicht ihm das von der Hand geht. Faszinierend, wie glatt das klingt. Man zwinkert zweimal mit den Augen und steht mitten in großer Kunst. Man zwinkert wieder zweimal mit den Augen und befindet sich in einem Alfa Romeo-Werbespot. So liegen die Dinge hier. Rein assoziativ betrachtet.

Text: Curt Cuisine | 26.06.2014

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