The Robocop Kraus - Seele essen Angst auf Wenn Bands alles richtig machen und die großen Festival-Bühnen erobern, trotzdem jedoch jeden noch so kleinen Club mit ihren Superlativen, mit ihrer Energie und mit ihrem Drang erreichen, dann heißt das, dass die Maschine »Rock« begriffen und ausgetrickst wurde. Aber wenn dann auch noch so eine Platte wie »They Think They Are The Robocop Kraus!« daherkommt, dann ist es verdächtig. Verdächtig gut. skug # | Text: Marko Markovic / Katja Krüger | Fri 23. Sep. 2005 Aus der Nähe von Nürnberg kommt das Wunder her. Eine Band, fünf Freunde, die auszogen um ihre Hardcore-, Emo-, NewWave-, Postpunk-Vergangenheit in einen schmackig-eleganten Pop-Entwurf zu verpacken. Und ihre bisherige History liest sich in der Tat wie ein Märchen ohne Bösewichte: Mitte der Neunziger erste wütende HC-Aufnahmen, eigenes Label gegründet, Pop schummelt sich rein, zweites Album »Tiger« lässt sie zum Geheimtipp werden. Unablässiges (und wirklich, DAS ist wörtlich gemeint) Touren und die richtigen Connections bringen 2003 den Deal mit der Indie-Legende L'Age D'Or. »Living With Other People« hieß das Meisterwerk, das in Anbetracht der jetzt laufenden Welle an stilistisch ähnlichen, international umjubelten Bands eindeutig seiner Zeit voraus schien. Und dann musst du cool genug sein, nicht unterzugehen, nicht abzusaufen, sondern weiterzumachen, bis du in Schweden bei Pelle Gunnerfeldt landest, dem Produzenten der Hives und der (International) Noise Conspiracy. Hm, das mag komisch klingen, immerhin machen TRK alles richtig, was Bands wie diese immer schon falsch gemacht haben. Vor allem sind TRK nicht langweilig. Aber gut, Pelle gibt schon im ersten Mail den Ratschlag »Hört mehr AC/DC!«, was das neue Album zwar nicht wirklich explizit auszeichnet, aber vielleicht doch den Dampf und die Energie bündeln konnte. Die Energie ihrer Konzerte, der sagenumwobenen TRK-Gigs, die den Club definitiv nicht in Ordnung lassen. Diese Energie auf Platte zu bannen scheint unmöglich. Und doch gelingt »They Think They Are...« dieses Kunststück bestens.
Einen Großteil eurer jetzigen
Bekanntheit verdankt ihr eurem unnachgiebigem Touren. Seht ihr euch primär als
Live-Band oder ist die Studio-Arbeit wesentlicher?
Das Loslassen bei euren Konzerten,
dieses Punkige, ist auf der neuen Platte erstaunlich clever rübergekommen.
Wie waren die Aufnahmen? Wart ihr
auf einer Wellenlänge mit Pelle Gunnerfeldt?
Habt ihr ihm viel erklären müssen
oder hat er euch viel erklärt?
Beim Hören eurer Platte kommen
immer Assoziationen von wütenden Jungs hoch, die den Club in Schutt und Asche
legen wollen. Gibt es einen gewissen Druck eurerseits auf der Bühne Entertainer
zu sein?
Und dieses Mehr, das TRK live bieten, findet auf der neuen Platte Entsprechungen sondergleichen. Nur »In Fact You're Just Fiction« als Beispiel genommen, ein Popsong ohne Wenn und Aber, der jenes Niemandsland des Rocks beackert, wo alle letztes Jahr noch Franz Ferdinand triumphieren gesehen haben. Heute triumphieren da eben TRK. Oder »You Don't Have To Shout«, die uneingeschränkte Frechheit des Songtitels, weil Schreien und Jubeln wirklich das dringlichste ist, wozu der Song anstiftet. Diese Songs leben davon, weniger zu wollen als sie bieten. Sie versuchen nicht, fünf Geschichten in einem Song zu erzählen. Sondern zwei. Dies ist wirklich bemerkenswert, vor allem weil der innewohnende Soul, das Gefühl, die Seele in Thomas Langs Stimme das erste Mal seit langem ein Rock-Album zum Erzählen gebracht hat. Und die Musik das erste Mal seit langem so viele Leute bei Konzerten zum Tanzen. Wenig Geschichten großartig zu erzählen heißt eben auch: Großformatigen Witz und unbestechliches Gespür für den Moment zu haben. Wir schreiben 2005, auf einmal werden die Zeichen klar, dass TRK mehr sind als nur irgendein deutsches Provinz-Ideechen. Epitaph ruft an. TRK stellt man sich am ehesten in
einem kleinen, engen Club vor, wo die Hölle los ist. Wie geht's euch jetzt mit
dem Erfolg, mit den großen Festival-Bühnen, mit der Unpersönlichkeit dort?
Wie seid ihr zum Deal mit Epitaph
gekommen?
Wann habt ihr davon erfahren?
Reagieren manche Fans jetzt
aufgrund des Erfolgs anders? Sind manche enttäuscht? Früher habt ihr ja
Interviews mit Intro oder Visions abgelehnt ...
Zum Beispiel?
Euer Stil ist nicht der typische
schwedische Rock-Chic, aber trotzdem scheint er für euch als Live-Band wichtig
zu sein.
Wie geht es euch mit dem euch oft
nachgesagten Soul? Und da sollten wir dankbar sein. Zahlreiche Clubs, Ottensheim Openair, Seewiesenfest, Donauinselfest wurden schon in Schutt und Asche gelegt. Und weitere folgen. Und sie sollten nicht verpasst werden. Z.B. der 25. September im Wiener B72.......
References ![]() The Robocop Kraus![]() Epitaph/Edel![]() Marko Markovic / Katja Krüger
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