
Nach einer Dekade und sechs Studioalben wird David Eugéne Edwards (16 Horsepower) einstiges Nebenprojekt einer Frischzellenkur unterzogen. Bassist David Pascal Humbert und Drummer Jean-Yves Tolà verließen die Band. Ersterer unterstützt, wohl aus finanziellen Gründen, fortan seinen Vater auf dem Weingut in der Nähe von Bordeaux. Andererseits wirkte das diesjährige »Live At Roepan« leider ja bereits recht uninspiriert (siehe CD-Rezension auf s...
-
Artist:
Elis Regina, Koo Nimo, Orchestre National De Barbes, Tamba Trio
-
Label:
Broken Silence, Glitterhouse, Hoanzl, La Prod JV, Lotus, Piranha, Putumayo, Soul Jazz, Trost, World Circuit, World Music Network
-
skug :
92

Paris heißt für mich jedes Mal auch Barbes. Das ist jener Stadtteil unweit vom Zentrum, der stark von nord- und schwarzafrikanischen Zuwanderern geprägt ist. Es ist kein besonders lauschiges Viertel - trotz Markt und guter, einfacher Küche. Und das Freitagsgebet der Hunderten von Moslems aller Herren Länder hier, zum Teil auf offener Straße, ist dem Front National ein Ärger. Weltmusik-Aficionados kommen hierher, um ihren aktuellen ...

Ursprünglich im Jahre 2002 als Nebenprojekt von 16 Horsepower gegründet, lieferte Frontmann/Mastermind David Eugéne Edwards mit Woven Hand bislang beständig hochqualitative Americana/Alternative-Country-Ware ab. Nun fällt es einem allerdings schwer, sich mit diesem Doppelalbum anzufreunden. Bis auf wenige Momente mag im niederländischen Kirchenkonzert in Otersum (Dezember 2010) nicht so recht Stimmung aufkommen. Auch wenn Edwards in seiner Jugend...

Kein Ende in Sicht. Weit ist die Prärie. Hier handelt es sich keinesfalls um dritte oder vierte Aufgüsse von Songs, sondern, man höre und staune, um brandneues Material des im Jahre 1996 verstorbenen Jeffrey Lee Pierce (The Gun Club). Jeffrey konnte oder wollte seine Aufzeichnungen/Skizzen nicht zu Ende bringen. Nun springen aber gleich drei CD-Veröffentlichungen, wovon dies die zweite ist, davon raus. Dafür sorgen Hinterbliebene wie Nick Cave, M...
_150.jpg)
Als es noch Handlungsreisende gab, die todsichere Produkte einem treuen Klientel feilboten, kamen diese nach ihren Geschäftsreisen nach Hause und erzählten von ihrem Alltag. Die Höhepunkte überragten kaum die Tiefen, die Neuigkeiten waren Nuancierungen des Dagewesenen. So stell ich mir das Leben eines Musikers vor, der seit Jahrzehnten fast immer Ähnliches vorbringt: Treue Fans, vorhersehbare Musik, ausreichendes Einkommen; weil fleißig...

»Behind The Magnolia Curtain« ist eine ausgesprochen unanständige Platte. Auf Altersunterschiede wird hier glorios geschissen: Honorige Delta-Blues-Riffs liegen mit suggestiven, bis in die Obszönität verhallten, an Adoleszenz und Wahnsinn gemahnenden Rockabilly-Hickups im Bett, und durchs geteilte Schlafzimmer weht ein resches Lüfterl von Punk und Dekonstruktion. Es rumpelt und pumpelt, es stöhnt und kracht, und mindestens einmal pro Track fällt ...

Dinge, die nicht neu erfunden werden müssen, gibt es zuhauf: Das Streichholz, das Beuschel, die Walkabouts. Der Eine braucht es nicht, ein Anderer mag es nicht, ein Dritter
kennt es nicht. Oder doch. Sechs Jahre sind seit dem letzten Walkabouts Album »Acetylene« vergangen, doch seit dieser Zeit marschieren junge Menschen unbekümmert aber freudig durch die Berge, begleitet von den Walkabouts. Reich wurden zweitere damit nicht - schlechter Vertrag ...

»Jedes Stück Musik, das ich mache, handelt von meinem Leben mit Johanna. Von der Erkenntnis, dass ich ohne sie verloren bin, von dem Wissen, das sie mich am Leben hält. Jeden Song, den ich je geschrieben habe, habe ich für sie geschrieben.« (Dakota-Suite-Mastermind Chris Hooson in den Liner Notes)
Einfach, reduziert und deswegen wunderschön? Man fragt sich, wer Johanna ist. Diese Frau, die einen Menschen dazu bringt, sein Schaffen ihr zu widmen. ...

Scott Matthew, New Yorks liebster Australier, verehrt in Europa und verkannt in den USA, hat ein neues Album herausgebracht. Ein viel fröhlicheres, sagt er, eines bei dem er tapferer war als zuvor. Er traut sich mehr, steht zu seiner Stimme, und zu sich selbst. Aber war das je anders?

Der Name dieses Albums von Walkabout Chris Eckman und dem Elektrolurch Rupert Huber von Tosca ist eine ironische Anspielung auf den langen Prozess, welcher der Produktion von »American Primitive« (AP) vorausgegangen ist. Vor acht Jahren traf man sich zufällig auf einer Almhütte, 2005 kam es zur ersten gemeinsamen Aufnahme - Eckman übernahm den Gesang bei »John Lee Huber«, einem Tosca-Stück. Seitdem schickten sich die beiden einander Soundfiles zu...

Wenn Chris Eckman für die Walkabouts arbeitet, kann man ihm ruhig das Prädikat »Langeweiler unterwegs« umhängen. Als Produzent und Solokünstler entfaltet dieser neugierige und nebenher auch gescheite Geist seine wahren Talente. Mit den Weggefährten Hugo Race und Chris Brokaw reiste er auf Anregung und Einladung der famosen Band Tamikrest nach Mali und in drei Tagen wurden die Songs geschrieben und eingespielt...

Der gewichtige Robert Fisher besucht
hier mit Freund Steve Wynn Songs aus dem Fundus seiner Conspiracy aus
den letzten 13 Jahren, entstaubt sie und lässt sie mit seiner
Alterstimme noch einmal strahlen. Fishers Geschichten aus dem
amerikanischen Landleben sind von Darstellern bevölkert, die direkt
aus Cormac McCarthys Romanen entsprungen sein könnten und strahlen
im sparsamen Gewand neu und imponierend. Für Novizen in der Welt der
Willa...

Irgendwie hat »Mosaic« etwas von kalter Jahreszeit an sich, was nicht nur daran liegen kann, dass das Album in Winter in Colorado aufgenommen wurde. Vorwiegend in Molltonarten breitet David Eugene Edwards (ehemals Leadsänger von 16 Horsepower) seine düstere Weltsicht aus. Es ist ein Jammertal hienieden und wenn der tiefgläubige Südstaatler Edwards sich selbst betrachtet, blickt er in tiefe Abgründe. Das Dasein ist hoffnungslos, Rettung bietet ein...

Die dänisch-schwedische Indie-Band Lampshade, die sich
bisher als so unabhängige Band verstanden hat, dass für den Erstling gar kein
Label gesucht wurde, ist nun bei Glitterhouse gelandet. Die Stücke zur zweiten
CD sind während Konzertreisen durch halb Europa entstanden, die auf das
wunderbare Debüt-Werk folgten. Auch die neue CD sorgt für jene kraftvolle Ruhe,
dank der sich hier Indie-Rock-Balladen genauso finden wie
Gitarren-Rock-Kraftaus...
Zwei Soundtracks mit Ostbezug: »NVA« ist der Soundtrack zum neune Film von Leander Haussmann, der musikalisch so nostalgisch ist wie der Streifen selbst. Und so vernimmt man hier C.C.R.s »Bad Moon Rising«, Emerson. Lake & Palmers »Lucky Man« oder Cat Stevens »Oh Very Young«. Mit Heather Novas »Walk This World« ist auch ein Song jüngeren Datums dabei. Gute Mischung. Anders verhält es sich bei Chris Eckmans Soundtrack zu einer fünfteiligen TV-Serie...

Vom Regen in die Traufe schwappt die Stimmung auf dem
aktuellen Soloalbum des ehemaligen Midnight Choir-Sängers. Insofern hat sich
seit vergangenen Großtaten wie Amsterdam Stranded nichts geändert. Der Norweger
erfüllt die selbst hochgetriebenen Erwartungen. Er verhält sich ruhig, aber
auffällig und zeigt etwa in Life Down Here In Hell, welche Größe in kleinen
Momenten stecken kann, die vor Ergriffenheit nur strotzen, ohne dabei ...

Willart Grant Conspiracy ist das Projekt des wunderbaren
Querdenkers und Bartträgers Peter Fisher, der sich damit eine klare und eigene
Nische zwischen den Polen Lambchop, Tindersticks und zärtlichem Cave geschaffen
hat. Hier liegt nun die Werkschau des Schaffens der letzten 9 Jahre vor. Und da
Fisher ein cleverer Kopf ist, verzichtete er auf ein klassisches Best.Of- Album
, sondern wollte ein Album aus einem Guss kompilieren. Und so paaren ...
Manchmal verkehrt sich Unglück zum Glück.
Thomas Dybdahl kann mehrere Lieder davon singen. Das Ende in Sichtweite kam ihm
bei den Arbeiten zum abschließenden Teil der »October Sound«-Trilogie der
Laptop mitsamt dem bis dahin u.a. in New York abgespeicherten Material
verlustig. Der Diebstahl barg die Chance
für einen neuen Ansatz, die der Songwriter zu nutzen wusste. Die zwei
vorhergehenden Alben ließen für den Schlusspunkt auf ...
Das
Schicksal ist ungnädig und kommt in Frauengestalt. So sehen es
zumindest Helldorado auf ihrem Albumdebüt »Director's
Cut«. Zwischen
energetischen Revolverrockentladungen wie »Teenage
Queen« oder
»Payrolled«
wird Balladenhaftes gelegt, das doch keine rechte Verschnaufpause
gönnen will. Was bei den Leisetretern an Tempo entnommen wird,
wird durch Dramatik aufgewogen. Dramatik und große,
verzweifelte Gesten sind es auch, was ...

Eine Vier-Song-EP von Savoy Grand, die es in sich hat: Die Band aus Nottingham, England erzeugt in 26 Minuten eine intensive und gleichzeitig intime Stimmung, wie das auch Azure Ray mit ihrer ebenfalls 26 Minuten langen Debüt-EP »November« geschafft haben.
Die langsamen, getragenen Stücke eröffnen Räume, die zuweilen so groß wie die Kathedrale von Canterbury sind. Andacht ist angesagt und ein Sich-Zurückziehen. Wozu mehr sagen als: Savoy Gr...

S.Y.P.H standen immer am Rand. Selbst zu Hochzeiten des deutschen Pop, als selbst Bands wie Fehlfarben Popstars waren, blieben sie die Band für Insider ohne Ausflug ins damals breite Spektrum der Hitparade. Warum das so war ist heute nicht mehr nachvollziehbar, denn Geniestreiche wie »Zurück Zum Beton« oder »Der Bauer Im Parkdeck« hätten das Zeug als definitive Songs einer Epoche zu gelten, aber vielleicht war die Einordnung zu schwer: Punkrock? ...

Mut kann man nicht kaufen und das ist gut so. Die Vertonung von literarischen
Vorlagen geht meistens ganz furchtbar in die Hose, da »gut gemeint« immer das
Gegenteil von »gut« sein wird. Hier wird Tristan Egolfss Roman »Lord Of The
Barnyard« und dessen Held John Kaltenbrunner als Vorlage genommen, aber das
Schöne an dieser Platte ist, dass das vollkommen egal ist. Es ist der Soundtrack
zu einem imaginären Film, der im Kopf von zwei Oberpfälzern a...

New York steht für Härte, Coolness, Lederjacken und neue Rocker wie die Strokes. Timesbold kommen von ebendort und erfüllen keines dieser Klischees. Langsame, sparsam, aber perfekt arrangierte Songs, die an Lambchop an einem guten Tag erinnern, wenn sie sich dem melodieverliebten englischen Folkpop eines jungen Martin Stephenson zuwenden würden. Aber im Gegensatz zu notorischen Langsamspielern wie den Tindersticks, Savoy Grand oder eben Lambchop ...

Wenn eine sagenumwobene Band wie Rocket From The Tombs nach 30(!) Jahren noch einmal ins Studio geht um ihre Proto-Punk-Hymnen das erste Mal regulär aufzunehmen, dann steht im schlimmsten Fall die Überschrift »Nostalgie« über dem Unternehmen, im zweitschlimmsten Fall ist es ein Klassentreffen, das mangels Gesprächsstoff in einem Wettsaufen oder einer Schlägerei endet. Aber David Thomas (genau der von Pere Ubu), Cheetah Crome (später bei den...
Salvatore sind ein Sextett aus Oslo und gründeten sich, von Krautrock inspiriert, 1998. Diesen Einfluss merkt man auch auf ihrem mittlerweile vierten Album. Ihre bisherigen Bühnenkooperationen (Mogwai, To Rococo Rot etc.) sind ebenso einschlägig wie ihr aktueller Produzent John McEntire (Tortoise, Gastr Del Sol, The Sea And Cake etc.). Heißt: Irgendwie Rock, sagen wir Post Rock. Jedenfalls nix mit selbstverliebten Sängern und Gitarristen, s...
Texas: Cowboys, Rinderherden, Ölbohrtürme, was fällt einem noch so ein zum US-Bundesstaat im Süden? Vielleicht Raumfahrtkontrollzentrum und Countrymusik? Jamaican Dub? Eher untypisch für die Gegend. Nichtsdestotrotz taten sich 1996 vier Typen in der Universitätsstadt Denton zusammen, um Dub live zu performen - das war der Beginn von Sub Oslo. Im Laufe der Jahre wuchs die Gruppe um vier weitere Musiker und einen Visual Artist, man veröffentli...

Seit 13 Jahren gibt es jetzt diese Band rund um Felix Constanza und die Entwicklung ist eine absolut konstante: Die Songs werden leiser, ruhiger und nähern sich in manchen Momenten schon den Lambchop der mittleren Phase an. Und genau wie bei ebendiesen Lambchop finden die Exlosionen im Verborgenen statt, die Melodien kommen langsam, den Schwingungen wird die Zeit gegeben und wenn dann doch ein kleiner Backgroundchor einsetzt, ist das schon fast e...
Drei junge Männer aus dem hohen Norden, genauer: Oslo. Keyboards, eine unverzerrte Gitarre und ein hypnotisch pulsierender Bass als Grundgerüst. Hin und wieder ein sanftes Lebenszeichen vom Schlagzeug. Leise. Langsam. Piano-Nebel schweben vorüber. Eine hohe, sanfte Stimme erhebt sich zögerlich, fast schon ein wenig zu vorsichtig. Wintermusik. Die Codeine-Referenzen sind ja schon aus dem Bandnamen ablesbar, führen aber unter Umständen auf die fals...
Seit ihren Anfängen als lounge-geschulte Exotica-Fetischisten haben einige Mood-Swings den Sound der nun schon neunköpfigen Band immer düsterer werden lassen. Mit »Under The Waves« ist der bisherige Höhepunkt der gegenwärtig experimentelleren Soundscapes erreicht. Schon der Opener ist reines Orgel- und Theremin-Flirren, verwischt mit züngelnden Becken und verfremdeter Steelguitar. Das musikalische Süppchen brodelt dann den ganzen Tonträger lang w...
Kunst wird meist von Gefühlen erzeugt. Songs über Liebe und alle Ihre Spiel- und Abarten gibt es in großen Mengen. Hier geht es um den Tod. Rainer Ptacek, der beste Freund von Howe »Giant Sand« Gelb, wusste zum Zeitpunkt der Aufnahmen, dass er in wenigen Wochen sterben würde. In den Tagen dieser Sessions gab er noch einmal dem Tumor nicht nach, sondern zelebrierte in all seiner verzweifelten Restenergie noch einmal seine Kunst auf der gelie...
Nach dem epischen Vorgänger »Secret South« hat schon das Soloprojekt Woven Hand angezeigt, in welche Richtung es bei David Eugene Edwards gehen könnte, und »Folklore« zieht das nachdrücklich durch: Reduktion. Der Claim wird abgesteckt, möchte man sagen, aber das hier ist ein Album, das beständig bei sich ankommt, indem es gleichzeitig über sich hinausweist: Sechs der zehn Stücke sind Coverversionen und in der Nachbarschaft dieser Berufungsfluchtp...
David Eugene Edwards hat die Pause seiner Band 16 Horsepower (neues Album im Juni) genützt und mit dem Soloprojekt Woven Hand eine Platte veröffentlicht, die dem Americana-Sujet ein weiteres überaus spannendes Kapitel hinzufügt. Country- und Folkadaptionen scheinen überhaupt ein ungemein fruchtbares Terrain zu sein, verwiesen sei nur auf die letzten Veröffentlichungen von Papa M, Songs: Ohia oder die Split-Single von Calexico und The Frames (die ...
Vor gut drei Jahren nahmen Hazeldine dieses Coveralbum auf, aber durch diverse juristische Fallstricke kann es erst jetzt in Europa veröffentlicht werden. Und wenn die Band bisher immer den Hauch der soliden Harmlosigkeit ausstrahlte, so ist das die erste Veröffentlichung von Hazeldine, die Spielfreude verbreitet. Natürlich kommt Gram Parsons, der Urahn des Countryrocks, zu Ehren, aber auch nicht so naheliegende Helden wie John Doe oder die Mekon...
Das zweite Werk der Hohepriester der Langsamkeit geht noch weiter als sein Vorgänger. Ohne die Idee »Song« aus den Augen zu verlieren, lassen sie nicht nur den einzelnen Ton sprechen, sondern man hat das Gefühl, dass sich diese Menschen schon auf die einzelnen Schwingungen einlassen. Mit klassischem Vokabular müsste man hier von einem Songzyklus für aufmerksame Geister sprechen. Savoy Grand loten Grenzen aus. Was Souled American für den Countryso...
Cary Hudson ließ seine Band Blue Mountain samt Lebenspartnerin in der Vergangenheit ruhen und wandelt nun auf Solopfaden. Und genau in dem Moment der Trennung widmet er sich der wohl männlichsten aller Musikrichtungen: Dem Bluesrock. Ein Mann mit Gitarre und zwei Rhythmusknechten zeigt der Welt wie er sich mit aller Kraft in eine Sackgasse katapultiert. Offenbar ist auch das tragische Schicksal des irischen Virtuosen und Säufers Rory Gallag...
Ungefähr die zweite LP von Adem Selzer, ein junges Talent, das mit Neil Young, Giant Sand, Daniel Johnston und Rainer aufgewachsen sein dürfte. Da passt es gut, dass Howe Gelb bei einem Song Piano beisteuert. Anfangs ist die Platte etwas hippieseicht (Buffalo Springfield redux) mit Klampfe und zu bemüht hohem Gesang, der unsympathisch aufgenommen wurde. Bei zunehmender Spieldauer franst sie jedoch angenehm aus und wechselt ins schizoide Johnston-...
Von wegen Easy Listening! Die rocken, was das Zeug hält! Live war das mir (dem es eigentlich nie genug rocken kann) schon fast zuviel des Guten. Auf »Wichita Lineman« nehmen sie das Tempo im Kern der Platte dann doch heraus und schwelgen in Morricone-mäßigen Soundsphären und üben sich in kleinen bongounterstützten Ausflügen auch gerne am Mellotron und Harmonium, was neben einer omnipräsenten Steelguitar auch gerne gehörten Exotica-Flair mit...
Mastermind Bill Elm hat wieder zugeschlagen. Nach einem wuchtigen Intro, das wohl auf einem zähen Blue-Cheer-Riff beruht, lässt er sein instrumentales Universum zum fünften Mal in schon beängstigend sicherer Weise auferstehen. Absolut genial hier ist der Grenzgang zwischen Ohrenfaserschmeichlern und Härte. Und immer kurz vor Einsetzen der Langeweile, schafft es Elm doch wieder, die Kurve zu kriegen. Von Easy Listening ist das dann ungefähr so wei...

Allein der Titel ließ Befürchtungen aufsteigen, dass es sich David Thomas zu leicht macht. Nach »Mirror Man« (Beefheart) nun mit »Surf?s Up« (Wilson) sein zweiter nicht gerade versteckter Hinweis auf gewichtige musikalische und emotionale Einflüsse. Das könnte als Schizophrenie interpretiert werden, die schon Pere Ubu in ihrem waghalsigen Pendeln zwischen »Art« und »Pop« an den Tag legten. Die Musik, die Thomas mit den Two Pale Boys spielt ...
Savoy Grand huldigen der Stille und dem Ton, der diese Stille erfüllt. Daher wird auch ausgespart, wo es nur geht. Als Referenzen fallen mir das Soloalbum von Mark »Talk Talk« Hollis und im Countrykontext Souled American ein. Auch wenn derarige Versuche leicht in die Langeweile zu kippen drohen (und das auch meistens tun), passiert das hier höchst selten. Die Songfragmente haben fast immer genug Kraft, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Auf jed...
Am 16. Juni 1975 spielten 15.60.75, die auch als Numbersband auftraten, als Support für Bob Marley in Ihrer Heimat Cleveland auf. Und was das Publikum damals nicht gerade in Ekstase versetzte, ist heute ein schillerndes Beispiel für eine große Sackgasse der Pophistorie. Knochentrockener Bluesbeat weißer Prägung trifft da auf die seltsamen deklamierten Texte von Bandvorsteher David Kidney. Bob Seger trifft auf Linton Kwesi Johnson und ...
Obwohl vor Giant Sands großer »Chore of Enchantment« aufgenommen, erst jetzt nachgereichte Solo-LP von Howe, der erstaunlicherweise seinen Shit hier halbwegs beisammen hat. Gerade bei seinen oftmals gepflegten Verweigerungshaltungen gegenüber dem Publikum doch eine Überraschung, dass er sich hier ohne Bandregulativ dermaßen versöhnlich zeigt. Vielleicht tritt einfach schon ein Gewöhnungseffekt bei den sperrigeren Elementen seines...
Blaze Foley war ein Herumtreiber und Trunkenbold ersten Ranges. Daneben schrieb er Songs, die Wüsten zum Weinen bringen. 1989 wurde er auf einem Parkplatz erschossen, als er den Wohlfahrtsscheck eines Bekannten verteidigen wollte. Vier Wochen vor seinem Tod spielte er mit einer geliehenen Gitarre und ein paar Freuden dieses Konzert und dem lieben Gott sei es gedankt, dass jemand jetzt diese Bänder ausgegraben hat. So hat auch die Nachwelt etwas v...
Die ehemaligen Red-Red-Meat-Leute werden mit ihrem heftigen Output auf dem eigenen Perishable Label langsam unheimlich. Das Mutterschiff der Nachfolgeprojekte ist ohne Zweifel Califone, deren zweite LP nun auch schon einige Zeit am Markt ist. Leider hat mein lieber Bruder alle RRM-Platten eingezogen, aber ich glaube Rutili und Hurley sind von der alten Mannschaft übriggeblieben; was die relative Offenheit der Angelegenheit, die sich sehr unbandmä...
Vier traurige Norweger auf dem Weg die Herzen (und Tränendrüsen) der Gleichgesinnten zu erobern. Da Seelenverwandte wie die Tindersticks pausieren, stoßen Midnight Choir mit ihrem dritten Werk in das weite Panorama des gepflegten Leidens vor. Unterstützt vom Kern der Walkabouts Carla Togerson und Chris Eckman enststand ein toll produziertes Album, das auch Freundinnen und Freunde der wehleidigen Melodie erfreut. Und wehleidig sind wir alle,...
Die Gourds sind eines der bestgehüteten Geheimnisse außerhalb von Austin,TX. Angetrieben von drei Songwritern sind sie mittlerweile bei Album Nr. 5 angelangt. Routine und Müdigkeit sind dieser Band fremd und deshalb ist »Bolsa De Agua« auch ihr bisheriges opus magnum. Auch wenn die Gourds eher die akustischen Werkzeuge bevorzugen, schwingt immer das faszinierende Erbe der Band (und der ganzen »Basement Tapes«) mit. Ein ausgewählt guter Song...
Das ehemalige Bad-Seeds-Mitglied hält schon bei seinem x-ten Album. Gleich ob es das Siebente oder Neunte ist, es ist eines seiner besten. Denn Race arbeitet endlich wieder mit seiner Band, das Geheimnis liegt aber in der elektronischen (Samples!) Bearbeitung des Songmaterials. Da schleichen sich unmerklich Drum-Loops ein, nicht so offensichtlich, wie Tim Rothrock bei Beck Hand anlegte. Daraus resultieren bei Race eben nicht Pop, sondern hypnotis...